Helen Heberer Mannheim SPD

Meine Schwerpunkte für den Landtag

Bildung – Ausbildung – Kultur

(Ausschnitt aus der Rede vom 22.04.2005 / Nominierungskonferenz)

Als Mitglied des SPD-Landesvorstands arbeite ich seit einigen Jahren in der Bildungsgruppe "Fit für die Zukunft" mit. Dadurch konnte ich mich aktiv an den aktuellen bildungspolitischen Konzepten beteiligen, Ideen und Vorschläge einbringen. Auch in die Themengruppe Bildung, bei der Erarbeitung des neuen Grundsatzprogramms fließen derzeit konkrete Mannheimer Forderungen ein.

Ich hatte eingangs erwähnt, wie wichtig Kindheit und Jugend sind; welch entscheidende Weichenstellungen durch Elternhaus, Schule, soziales Umfeld aber auch durch die Politik für jeden einzelnen gestellt oder versäumt werden können. Jedes Kind braucht seine Chance – und manchen Kindern und Jugendlichen muss man auch eine zweite und dritte Chance geben. Was aber nicht sein darf, ist, dass in unserem Schulsystem erste Misserfolge eine Abwärtsspirale einleiten, die oft im Versagen und in Ausgrenzung endet.
Bundesweit wiederholen allein jährlich etwa 46.000 Hauptschüler eine Klasse. Das Sitzenbleiben kostet den Steuerzahler rund 240 Mio Euro, was dem Finanzbedarf von 4.000 Lehrern entspricht.
In Baden-Württemberg sind dies 22.7 Mio Euro, was 380 Lehrerstellen entspricht. Das heißt, es gibt relativ wenig präventive Förderung und praktisch keine Förderung für Schüler, die wiederholen müssen. Ein Umstand der nicht nur jeder Pädagogik, sondern auch jedwedem wirtschaftlichen Denken Hohn spricht.
Warum nimmt man nicht dieses Geld oder diese Lehrerdeputate um die Kinder rechtzeitig zu fördern und ihnen zusätzliche Chancen zu geben?
Allein in Baden-Württemberg verlässt jeder 8. Schüler ohne Abschluss die Schule und hier in Mannheim, als Ballungsraum, sind es 15 %. Jahr für Jahr! Ihr wisst selbst, dass damit der Start in die Jugendarbeitslosigkeit droht – und welche weiteren Konsequenzen dies mit sich zieht.

Es geht hier ums Eingemachte. Wir brauchen eine grundlegende Bildungsreform in Baden-Württemberg ! Dabei geht es nicht nur um den Beginn im Kindergarten, nicht nur um mehr gemeinsames Lernen, um mehr Ganztagsangebote oder allein um die instrumentelle Frage der Schulstruktur, sondern es geht um eine wesentliche Veränderung dessen, was wirklich in der Schule vor sich geht. Darum, dass Schule ein Haus des Lebens und des Lernens ist. –Lebens-Raum- wie das der große Pädagoge Hartmut von Hentig nennt. Wir müssen hinkommen zu einem Unterricht, der mehr Möglichkeiten gibt, individuell auf die Schülerinnen und Schüler einzugehen. Es kann nicht sein, dass Kinder ein ganzes Schuljahr 12 Fächern wiederholen müssen, obwohl sie nur in nur zwei Fächern Schwächen haben. Das ist nicht nur Zeit , sondern auch Geldverschwendung: Es muss zudem möglich sein, Unterricht so zu organisieren , dass der einzelne dort gezielt Unterstützung und Förderung erhält, wo er sie braucht, damit er mithalten kann. Damit Versagen und Misserfolg nicht da schon vorprogrammiert wird.

Dieses Problematik könnte man auch mit der Einrichtung von mehr Ganztagsschulen entschieden abmildern. Einfach Skandalös ist in diesem Zusammenhang, dass nach 14 Jahren landespolitischer Führungstätigkeit Herr Öttinger zwar gemerkt hat, dass man etwas für die Ganztagsbetreuung tun muss, aber, dass die Bundesregierung das Geld dafür dem Land förmlich aufzwingen musste – Und nun wird dieses Geld noch nicht einmal ordentlich an die Kommunen weitergeleitet.

Nach 10 Jahren Amtszeit ist der Kultusministerin, aufgefallen, dass „Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, kaum Chancen hat“. Sprachförderung, die vor der Schule einsetzt sei deshalb zwingend. Über ein Viertel unserer Kinder können bei der Einschulung nicht ausreichend deutsch (und zwar Kinder mit und ohne Migrationshintergrund) Da ist Frau Schavan aber aufgeschreckt. Und wir haben in Mannheim längst selbst gehandelt– aus eigenen Kräften ! Weil sich in Stuttgart nichts regte.
Und wir müssen dies in unserer multikulturellen Stadt auch weiter ausbauen, weil mit der Sprachkompetenz nicht nur die Frage der Bildung sondern auch die der Integration eng verbunden ist.

Es muss Schluss sein mit dem Flickwerk in der Bildungspolitik, Schluss mit konfusen Experimenten nicht nur in der reformierten Oberstufe. Zu viele Vorschläge sind nicht durch – und nicht zu Ende gedacht. Es ist höchste Zeit für eine Reform, in der Lage ist unsere Kinder stark für das Leben zu machen. Die ihnen die Freude am Lernen, ihre Neugierde und ihren Wissensdurst erhält und fördert.
Das kann z. B. schon in einem letzten Jahr im Kindergarten beginnen, das dann auch beitragsfrei sein muss. Der allerneueste Vorschlag der CDU allerdings, schon 5 jährige auf die Schulbank zu schicken ist da kontraproduktiv. Er zwingt Kinder, in einem Alter, in dem sie noch spielerisch lernen, viel zu früh in ein Leistungskorsett - da wollen wir lieber eine 6 jährige Grundschule, in der Kinder die Möglichkeit haben sich auf weiterführende Schulen gut vorzubereiten und die Richtige Entscheidung zu treffen.
Und was ist nach der Schule?
Jeder junge Mensch muss die Chance haben einen Ausbildungsplatz zu bekommen, mit der Initiative Ausbildungspakt hat sich da einiges getan - Plötzlich ging’s – fragt sich immer nur wie lange. - Jeder junge Mensch der das will, muss aber auch die Chance haben ein Studium zu machen, mit Erfolg zu lernen, ohne dabei Belastungen zu haben. Deshalb ist und bleibt für uns Sozialdemokraten das Erststudium gebührenfrei. Das hat auch unsere Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin Ute Vogt beim letzten Landesparteitag deutlich vertreten.

Wichtig ist mir bei allem was die Bildung und die Ausbildung betrifft, die Verknüpfung mit der Kultur. Kultur ist für mich mehr als Nationaltheater und Museum. Kultur ist dort, wo Menschen aktiv und kreativ sind, in der freien Kulturszene, auf der Freilichtbühne, im Kabarett, im Gesang- und Musikverein, auch beim Sport. Und das nicht aus irgendwelchen schöngeistigen Gedanken heraus sondern aus ganz anderen Gründen. – auch aus wirtschaftlichen. Zu den Grundfähigkeiten die heute bei fast jeder Bewerbung gefordert werden, gehören die sogenannten Schlüsselqualifikationen. Und wo könnte man Teamfähigeit besser üben als im Mannschaftssport, Kreativität, besser als in den verschieden Künsten wie Musik oder Malerei, wo kann man die Fähigkeit sich auszudrücken (also die kommunikative Kompetenz) besser lernen als beim Theaterspielen. Selbst richtig schreiben wird vor allen Dingen gelernt , durch richtig sprechen.
Die Kultur ist hervorragend dafür geeignet das an Grundlagen vorzubereiten und anzulegen, was wir in der Bildung und Ausbildung brauchen. Sie gehören zusammen!
Und noch etwas gehört zur Kultur, das Zusammenleben der Kulturen.
Das Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft in unserer Stadt braucht Pflege und Förderung in unterschiedlicher Weise – auch da hat aus meiner Sicht das Land weitere Aufgaben wahrzunehmen, die zu Chancengleichheit und Integration führen.