Helen Heberer Mannheim SPD

Metropolregion Rhein-Neckar

"Nicht kleinkariert wieder neue Grenzen ziehen"

Erster Parteitag der Metropolregion: Die SPD will sich an die Spitze der Bewegung setzen / Forderungskatalog verabschiedet
An die Spitze der Bewegung wollen sich die Sozialdemokraten setzen, wenn es um die länderübergreifende Zusammenarbeit im Rhein-Neckar-Dreieck geht. Deshalb hat die Partei zum ersten Parteitag der Metropolregion auch alles aufgefahren, was zwischen Bensheim und Landau, Bad Dürkheim und Buchen einen Namen respektive einen Posten oder Mandat hat. Sieben Bundestagsabgeordnete, 21 Mitglieder des Landtags, 59 Fraktionsvorsitzende aus den kommunalen Gremien in den 290 Städten und Gemeinden der Region, sowie drei Landräte. Nur die Zahl der SPD-Bürgermeister, sagt die Mannheimer Kreisvorsitzende Helen Heberer, die sei noch nicht ermittelt.

Über allen thronen Kurt Beck, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, und die baden-württembergische Frontfrau Ute Vogt, die beide am 26. März eine Landtagswahl zu bestreiten haben.

Zum Thema Metropolregion verabschieden die Delegierten eine Resolution, in der die SPD 15 Forderungen für das Rhein-Neckar-Dreieck formuliert. Der Katalog mit dem Namen "Für eine erfolgreiche, soziale und solidarische Metropolregion" umfasst die Gebiete Politik, Wirtschaft, Kultur, Bildung und Infrastruktur. Unter anderem sprechen sich die Sozialdemokraten für die Erweiterung des regionalen S-Bahn-Netzes und den Neubau der ICE-Strecke Frankfurt-Mannheim aus, bei der ein Bypass um die Kurpfalz verhindert werden soll.

Mit gemeinsamer Stimme
"Es geht darum, dass wir in Zukunft mit einer gemeinsamen Stimme sprechen", gibt Helen Heberer das Motto vor. Und auch Mannheims Oberbürgermeister Gerhard Widder reiht sich in die Phalanx der uneingeschränkten Metropolregion-Befürworter ein: "Der Begriff Kurpfalz ist unter den Menschen wieder lebendig. Wir können uns mit den besten Regionen Europas messen." Aber Widder mahnt auch, bei den Anstrengungen in Zukunft nicht nachzulassen: "Unser Flugzeug ist in der Luft, wir dürfen aber jetzt die Motoren nicht abstellen."

Die Hülle mit Leben erfüllen
Die Hülle Metropolregion mit Leben zu füllen, das sei die Aufgabe der Politik, erklärt Baden-Württembergs SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt. "Es ist an uns, die Begeisterung bei den Menschen zu wecken", appelliert sie an ihre Parteifreunde. Man habe die große Chance, bürokratische Hürden zu überwinden. Dies dürfe aber nicht dazu führen, bestehende Unterschiede zu vereinheitlichen.

Kurt Beck warnt in seiner Rede davor, nicht "kleinkariert" wieder neue Grenzen zu ziehen, nachdem man die Metropolregion auf den Weg gebracht habe. "Das wäre potenzierter Schwachsinn", erklärt der Mainzer Regierungschef. Er regt eine regionale Konferenz für Lehrstellen an, außerdem sollten sich die Rektoren der 22 Hochschulen im Rhein-Neckar-Raum bei regelmäßigen Treffen abstimmen. "Die Voraussetzungen für eine kulturell reiche Gesellschaft sind hier so gut wie an wenigen anderen Orten", sagt Beck. Mit einem Dreiklang aus wirtschaftlicher Prosperität, ökologischer Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung müsse die Zukunft angegangen werden.

Ob die Kurpfalz allerdings einen neuen Fußball-Bundesligisten braucht, da zeigt sich der Ministerpräsident eher unschlüssig. Er könne aus eigener Erfahrung mit den Vereinen Kaiserslautern und Mainz sagen, "das kann einem den letzten Nerv rauben". Gesundheitliche Folgen seien dabei nicht ausgeschlossen: "Mindestens ein Drittel meiner grauen Haare kommen vom Betzenberg."

Mannheimer Morgen - 05. Dezember 2005