Helen Heberer

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Mannheimer Morgen: Klima-Modell grünes Gasthaus

Veröffentlicht am 19.01.2010 in Presseecho

Strandbad: Baubeginn am Montag / Lokal-Neubau soll Vorbild zur Verringerung von Kohlendioxid werden

Klima-Modell grünes Gasthaus

Von unserem Redaktionsmitglied Thorsten Langscheid

Am Montag geht's los: Das Bauunternehmen Eisenbiegler aus Bühl/Baden wird den Rohbau der neuen, vom Architekturbüro Blocher geplanten Strandbad-Gaststätte errichten, die Arbeiten beginnen drei Tage nach dem ersten Spatenstich, zu dem die GBG Mannheimer Baugesellschaft gestern in den Neckarauer Rheinbogen eingeladen hatte. GBG-Chef Wolfgang Bielmeier und Mahjid Koshlessan von der GBG-Tochter MWS Bauconsult, die das 3,1-Millionen-Euro-Vorhaben als Projektsteuerer leitet, zeigten sich mit Bürgermeisterin Gabriele Warminski-Leitheußer und MVV-Vorstand Dr. Werner Dub optimistisch, im nächsten Sommer den ersten "Sundowner" auf der Terrasse der Gaststätte genießen zu können.

Green Building-Standard
Und der Genuss des Dämmerschoppens soll ohne Reue sein: Heizung, Kühlung, Beleuchtung und Küche des neuen Gebäudes, das mit Hilfe der MVV Energie AG nach dem europäischen Green Building-Standard errichtet wird, kommen hundertprozentig ohne fossile Brennstoffe aus. Sonnenzellen und Wärmepumpen liefern die Energie und sparen gegenüber konventioneller Bauweise etwa 40 Tonnen Kohlendioxid im Jahr ein. Die für Neubauten nach dem Baugesetz geltenden Öko-Grenzwerte unterschreitet der Green Building-Standard um 25 Prozent. Das Mannheimer Strandbad sei somit in ganz Deutschland die erste klimaschonende Gaststätte ihrer Art, wie Dub unterstrich.

Die Baugenehmigung schreibt für das Lokal mit 135 Plätzen im Inneren und weiteren 200 Plätzen im Außenbereich unter anderem die Verwendung heimischer Holzarten und die Bepflanzung der Außenanlagen mit den typischen Pflanzenarten aus dem umgebenden Naturschutzgebiet vor, wie Josef Krah, Leiter des Rathaus-Fachbereichs Baurecht und Umweltschutz, erläuterte.

Wie sehr das Strandbad den Mannheimern am Herzen liegt, zeigten zum einen die zahlreichen Gäste, allen voran Landtagsabgeordnete Helen Heberer und SPD-Fraktionschef Dr. Stephan Fulst-Blei. Neben den "Offiziellen" aus dem Rathaus waren trotz regnerisch-nasskalten Wetters auch die engagierten Neckarauer nach Jahrzehnten des Streits ums Strandbad zum versöhnlichen Schluss erschienen. So zeigten sich unter anderen Altstadtrat Helmut Wetzel, der ehemalige Chef der Gemeinschaft der Selbständigen, Günter Herbert, Architekt Klaus Mütsch, Strandbad-Aktivist Günter Kirchner und Ex-Bezirksbeirat Rudolf Höcker durchaus von den Plänen überzeugt, wenn auch Höcker kritisierte, dass die Gaststätte mit den Privat-Grillern im östlichen Teil des Strandbads "große Schwierigkeiten" haben werde.

Zum Appell, die Auseinandersetzungen der Vergangenheit zu beenden, passte auch eine Nachricht, die gestern rechtzeitig zum Spatenstich aus Karlsruhe kam. Das Regierungspräsidium wies eine Beschwerde der Mannheimer Liste (ML) zurück, die den nichtöffentlichen Gemeinderatsbeschluss zum Neubau der Gaststätte im Sommer gerügt hatte. Die ML hatte durch "Form und Inhalt des Beschlusses die Gemeindeordnung verletzt und damit ihre Rechte als Stadträte gravierend beeinträchtigt" gesehen. Die finanziellen Risiken des Projekts seien nicht ausreichend dargelegt und der Geschäftszweck der GBG verletzt worden.

Das Regierungspräsidium sah jedoch "in keinem Punkte Veranlassung zur rechtsaufsichtlichen Beanstandung". Die GBG, so Bielmeier, besitzt und betreibt neben ihrem Wohnungsbestand für die Stadt rund 200 Gewerbe-Immobilien, darunter das Hallenbad Waldhof-Ost.

Mannheimer Morgen
12. Dezember 2009