Presseecho
Rotlichtmilieu: Stadt erreicht die Schließung in der Zielstraße
Nach der Zielstraße in der Neckarstadt-Ost wäre es der nächste unerwünschte Bordellbetrieb in einem Gewerbegebiet: In der Fahrlachstraße in einem ehemaligen Gewerbegebäude liegt etwas zurückversetzt von der Straße ein solches Etablissement. Das berichten Anlieger und Gewerbetreibende. In der Neckarstadt-Ost hatte die Stadt eine derartige Einrichtung untersagt - und sich damit jetzt rechtlich auch durchgesetzt.
Zwar hatte sich der Eigentümer des Gebäudes in der Zielstraße zunächst juristisch gegen das Bordellverbot gewehrt. "Der Widerspruch wurde jedoch vom Regierungspräsidium zurückgewiesen", berichtet ein Stadt-Sprecher auf Anfrage. Es sei daraufhin keine Klage erhoben worden: "Der Ablehnungsbescheid wurde ohne Widerspruch bestandskräftig". Ob die Pension in der Zielstraße tatsächlich geschlossen wurde, hat die Stadt vor kurzem geprüft. Ergebnis: "Sowohl die Pensions- als auch die Bordellnutzung wurden offensichtlich aufgegeben. Unseren Verfügungen wird nachgekommen", berichtet der Stadt-Sprecher.
Ob ein solches Vorgehen auch bei der Einrichtung im Fahrlachgebiet greifen kann, das wollen nun die SPD-Stadträte Helen Heberer und Dr. Boris Weirauch, Fraktionssprecher für Sicherheit und Ordnung, von der Stadtverwaltung wissen. "Wir haben Anhaltspunkte, die vermuten lassen, dass auf dem Fahrlachgelände ein entsprechendes Etablissement betrieben wird", erklärt Heberer die Anfrage im Rathaus. Die Politiker fürchten negative Effekte für das eh schon durch das Abbruchgebäude auf dem ehemaligen Kannenberg-Gelände belastete Fahrlachgebiet. "Ein Bordellbetrieb würde das Gewerbegebiet nach unten ziehen", sind sie sich einig und erwarten, dass die Stadtverwaltung alle rechtlich zur Verfügung stehenden Mittel ergreift, um eine derartige Nutzung zu untersagen.
"Derzeit sind wir aber noch am prüfen und auswerten", so der Rathaus-Sprecher.
© Mannheimer Morgen, Freitag, 06.03.2015
Universitätsmedizin: Politiker beurteilen neue Leitungsstrukturen positiv
Positiv fallen quer durch die politische Landschaft die Reaktionen auf die neuen Eckpunkte einer alten (seit 1964) praktizierten Kooperation in Sachen Universitätsmedizin aus. Am Freitag haben, wie in der Samstagsausgabe ausführlich berichtet, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer, Mannheims OB Dr. Peter Kurz und der Rektor der Universität Heidelberg, Professor Bernhard Eitel, neue Leitungsstrukturen vorgestellt: Diese sollen die Wissenschaft stärken und gleichzeitig das Miteinander von Krankenversorgung sowie Lehre und Forschung effektiver gestalten.
Die Mannheimer Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Fulst-Blei und Helen Heberer, beide SPD, wie auch Wolfgang Raufelder, Grüne, begrüßen das präsentierte Modell. "Mein Dank gilt allen Beteiligten, die sich in dem Prozess für die Stärkung der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit und für eine hochwertige Krankenversorgung in Mannheim eingesetzt haben", so Raufelder. Das erzielte Verhandlungsergebnis sieht Fulst-Blei auch als Erfolg von Oberbürgermeister Kurz, der sich "sehr für die Interessen der Universitätsmedizin Mannheim eingesetzt" habe. Seine SPD-Kollegin Heberer betont als Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses: "Wichtig ist, dass die Debatten um den Fortbestand der Medizinischen Fakultät und deren Zusammenarbeit mit dem Klinikum vom Tisch sind - und ein mehrfach als herausragend gewürdigter Studiengang erfolgreich weitergeführt werden kann." Das sei für den Standort Mannheim von "hoher Bedeutung".
CDU-Stadtrat Wolfgang Pföhler würdigt als gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion, dass die Wissenschaftsministerin mit der Stadt "offensiv" neue Eckpunkte einer bewährten Kooperation ver-handelt habe. Jetzt gelte es, mit diesen Leitungsstrukturen die Zusammenarbeit tatsächlich zu praktizieren - wie dies über Jahrzehnte durchaus üblich gewesen sei. Bei den handelnden Personen sei "Führungsstärke gepaart mit der Fähigkeit zur Kooperation" gefragt. Pföhler kündigte an, dass er im Gemeinderat wie im Klinikum-Aufsichtsrat einer veränderten Rahmenvereinbarung für die Partner der Universitätsmedizin zustimmen wolle.
"Die Marschrichtung stimmt", kommentiert Professor Achim Weizel, Fraktionsvorsitzender der ML, das von Land, Stadt und Universität gemeinsam erarbeitete Zukunftsmodell der Universitätsmedizin. Auch er sieht als "wesentlich" an, dass die Chancen einer vertieften Kooperation auch tatsächlich genutzt werden. Das Modell soll nun zeitnah dem Gemeinderat, dem Klinikum-Aufsichtsrat, dem Uni-Hochschulrat und dem Landesministerrat zur Zustimmung vorgelegt werden.
© Mannheimer Morgen, Montag, 02.03.2015
Kulturdenkmal: Die äußere Restaurierung der Sternwarte ist abgeschlossen / Aktionsbündnis steht vor großem Turm-Ereignis
Die Aszendenten sollen günstige stehen, wenn im Tierkreiszeichen des Stiers am 9. Mai gefeiert wird: Das Aktionsbündnis Sternwarte bereitet mit Weitblick ein Fest vor, will im und um den Achteck-Turm das ganz große Programm abziehen und auf die Rundumerneuerung des Juwels anstoßen, mit Musik von Barock bis Pop und Führungen von astronomisch bis historisch das Ereignis feiern.
Fünf Jahre sind ins Land gezogen, seit sich das Aktionsbündnis 2010 gegründet hat: Damals bröckelte der Turm auf breiter Front, ganze Gesimse brachen weg, Rost rieselte und korrodierte Eisenstücke drückten aufs Gefüge. Das Baudenkmal aus Carl-Theodor-Zeit stand im Zeichen des Verfalls, ein Bild zum Steinerweichen. Jahrelang verkam das Kulturerbe, zwar wurden vonseiten der Stadt immer mal wieder Vorstöße unternommen, aber nichts bewegte sich. Erst in letzter Sekunde nahte Rettung: Helen Heberer, SPD-Landtagsabgeordente ohne Furcht vor riesigen Aufgaben, schob vor fünf Jahren die Aktion an.
Zusammen mit der Denkmal-Lobby vom Verein Stadtbild, den Freunden des Planetariums, dem Institut für Stadtgeschichte, dem Altertumsverein und der Mozartgesellschaft stellte man sich der Aufgabe. Schritt für Schritt nahm das bürgerschaftliche Bündnis die über 160 Stufen bis zum Ziel. Nach zwei Jahren Außensanierung kann sich das Oktagon in A 4 nun in restaurierter Pracht sehen lassen. 1,4 Millionen Euro sind bislang in das Erscheinungsbild geflossen. Das Land ist mit 500 000 Euro am Projekt beteiligt, über Lotto-BW Einnahmen kommen glückliche 150 000 Euro in den Topf, 250 000 Euro macht die Bundesdenkmalstiftung locker, der Verein Stadtbild investiert 90 000 Euro, mit 50 000 Euro Spenden ist bislang das Bündnis dabei, und die Stadt bringt sich mit 400 000 Euro in die Haus-Aufgabe ein. Unbezahlbar aber der Einsatz aller Sternwarten-Mitstreiter: Die Metallbearbeitenden Handwerker installierten kostenlos die Roste, die Handwerkskammer war mit 500 Euro und Azubis bei der Sache, die Stuckateurinnung schickte ihre Besten aus den Meisterkursen.
Auch das Leitungsteam der Stadt investierte mehr als nur Routine in das Unternehmen "Sternwarte", Ute Wagner und Restaurator Roger Thamm sowie Denkmalschutzexpertin Dr. Monika Ryll behielten Statik und Ästhetik stets im Auge, sorgten dafür, dass die Fenster maßvoll nach barockem Vorbild erneuert wurden oder der Kalkmörtelputz nach alter Art dem Achteck eine barocke Optik gibt.
Jetzt schaut man auch ohne Fernrohr hoffnungsvoll in die Zukunft, auf das Fest auf die Sanierung im Innern, die nun ansteht. Die Erneuerung von Wasser- und Elektroleitungen muss in Angriff genommen werden. Treppenhaus und Toiletten sind in beklagenswertem Zustand, das Foyer und die freigewordenen Stockwerke warten auf Renovierung. Dafür müssen geschätzte 700 000 Euro gestemmt werden. Vor allen Dingen steht die Frage an, was denn nun aus der Sternwarte wird, und wie sie sich das Kulturdenkmal nutzen lässt, wie man das Tor für die Öffentlichkeit aufhalten kann. Damit alle Mannheimer den sensationellen Blick von der Plattform auf die Stadt genießen und in die astronomische Geschichte schauen können, die der Jesuitenpater Mayer im Auftrag des Kurfürsten Carl Theodor in dem Gemäuer schrieb.
© Mannheimer Morgen, Dienstag, 24.02.2015
Seckenheim: Gemeinsame Winterfeier von AWO, SPD und Naturfreunden / Kommunale Themen beleuchtet
Zu ihrer gemeinsamen Winterfeier hatten die Seckenheimer AWO, SPD und Naturfreunde wieder ins Vereinshaus geladen. In dem mit Primeln in leuchtenden Farben frühlingshaft geschmückten Lore-Marzenell-Saal durften die SPD-Vorsitzende Evi Korta-Petry sowie AWO-Vorsitzender Fritz Deininger erneut eine Reihe gutgelaunter Mitglieder der drei Seckenheimer Vereine begrüßen.
Bevor Evi Korta-Petry die Gäste einlud, sich am reich bestückten Kuchenbuffet zu bedienen, erinnerte sie daran, dass es diese gemeinsame Winterfeier bestimmt schon 30 Jahre gebe, und dass sie seinerzeit von Otto Bauder ins Leben gerufen worden sei. Traditionell ging die SPD-Vorsitzende auch kurz auf die Themen ein, die ihre Partei in Seckenheim dieses Jahr bewegten.
So stünden u.a. die Planungen für das Neubaugebiet auf dem Gelände der Hammond-Kasernen, der Umbau der Seckenheimer Hauptstraße und Planken und natürlich die im Juni anstehe Wahl des Oberbürgermeisters auf der Agenda, außerdem ganz aktuell die Verhinderung des Wettbüros in der ehemaligen Brücken-Apotheke.
Die Landtagsabgeordnete Helen Heberer, die auch dieses Mal den bunten Blumenschmuck für die Veranstaltung gespendet hatte, berichtete aus dem Stuttgarter Parlament und aus dem Mannheimer Gemeinderat. So hätten etwa 12 000 Menschen, unter dem erschütternden Eindruck des Terroranschlages in Paris, in Mannheim an einer Demonstration teilgenommen und so ein überaus deutlichen Zeichen für die Meinungsfreiheit gesetzt. Ebenso deutlich bekenne sich Mannheim gegen Fremdenfeindlichkeit und für die Aufnahme von Flüchtlingen.
Mit der Einrichtung eines "Hauses des Jugendrechtes", das straffällige Jugendlichen berät und betreut, erhoffe man sich einen Rückgang der Jugendkriminalität. Die Mannheimer Hochschulen, insbesondere die im letzten Jahr vor massiven Kürzungen stehende Musikhochschule, dürften sich 2015 auf erhöhte Landeszuschüsse freuen.
Für ein feines Unterhaltungsprogramm sorgte im Anschluss Brigitte Smolka, die "ihr Gosch a mool richdisch Mannemerisch babble" ließ. Die "Neckarbote-Singers" glänzten mit vielen Evergreens aus ihrem Repertoire, Marie Eck gab humorvoll zum Besten, was der kleine Thorsten in seinem ersten Bayern-Urlaub sprachlich so alles erlebte, und zu welchen urkomischen Formulierungen eine blöde Angewohnheit des Bürgermeisters von Neidheimlingen führen kann.
Wieder einmal bestens unterhalten, ließen die Gäste den Nachmittag bei gemeinsamen Gesprächen ausklingen. Unter den Gästen waren auch der SPD-Bezirksbeirat und SV-Vorsitzende Ralph Waibel sowie die Vorstandsmitglieder der Seckenheimer IG, Jürgen Zink und Willi Pint.
© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 04.02.2015
Musik: Kurpfälzisches Kammerorchester tritt auf
Als Pfarrerin Anne Ressel das Ergebnis der Spendensammlung nach dem letzten Benefizkonzert für die Vesperkirche nennt, richtet sie zunächst ein großes Lob an die rund 300 Zuhörer: "Sie sind wunderbar!" Der Betrag beläuft sich auf genau 2158,70 Euro. Nach einer kurzen Atempause fragt sie aber doch, ob das klassisch-romantische Programm des Kurpfälzischen Kammerorchesters (KKO) und die passend darauf abgestellte Lesung der Landtagsabgeordneten Helen Heberer (SPD) wohl noch einen Nachschlag verdiene, ob durchschnittlich sieben Euro pro Kopf tatsächlich ein angemessener Dank dafür seien.
Alljährlich unterstützt das KKO die soziale Arbeit der Vesperkirche. Unter der Leitung seines Chefdirigenten Johannes Schlaefli kombiniert es dieses Mal das federnd interpretierte Divertimento KV 136 von Mozart mit dem hoch virtuosen Cellokonzert op. 101 von Haydn, und zwar in der halsbrecherischen Bearbeitung für den Kontrabass, den langen Lulatsch unter den Streichinstrumenten. Der Mannheimer Musikhochschul-Professor Petru Iuga unternimmt mit dem für die Tiefenregionen zuständigen Brummbass ungeahnte Klettertouren in die Höhe und Geschwindigkeitsläufe.
Helen Heberer fügt Mozarts Divertimento den vielsagenden Brief des Komponisten vom 29. November 1777 bei. Darin erfährt der Vater Leopold Mozart, wie sich sein Sohn am Hof des Mannheimer Kurfürsten um einen Posten bewirbt und immer wieder hingehalten wird. Als Lektüre zum Konzert von Haydn ist der Anstellungsvertrag ausersehen, der dem frisch gebackenen Vizekapellmeister am Fürstenhaus Esterhazy eine happige Pflichten-Liste in despotischem Beamtendeutsch auferlegt. Goethe steuert ein kleines Liebesgedicht an die Musik unter dem Titel "Aussöhnung" bei.
Das Ende des Konzerts bestimmt ein "Werk zum Träumen und Dankbarsein"; so beschreibt Dirigent Johannes Schlaefli die elegische "Kleine Suite" von Carl Nielsen. Als Zugabe folgt schließlich der süffige Walzer aus Tschaikowskys Streicher-Serenade. ML
© Mannheimer Morgen, Montag, 02.02.2015